Case · Multi-Channel-Plattform mit Abo-Modell und Partnernetz

Novogenia
23 Verkaufskanäle, über 100 Vertriebspartner und neun Backend-Systeme auf einer Shopware-6-Instanz — mit eigenentwickeltem Abo-Modul und Storefronts bis in den arabischen Raum.
Ausgangslage
Novogenia verbindet DNA-Analytik mit personalisierter Nahrungsergänzung: Nach einem Testkit mit Speichelprobe wird aus genetischer Auswertung, persönlichen Merkmalen und Lebensstil-Fragebogen eine individuelle Nährstoff-Kombination gemischt — geliefert alle drei Monate, abgerechnet monatlich im Abo. Ein Subscription-Geschäft mit einer Logik, die Standard-Abo-Plugins nicht abbilden.
Dahinter steht kein Versandhandel, sondern ein Produktionsbetrieb: Am Standort Eugendorf laufen Genlabor, Nahrungsergänzungs- und Kosmetikherstellung in einem Haus, nach eigenen Angaben mit über 50 Analyseprogrammen, ISO-Zertifizierungen für Qualitätsmanagement, Lebensmittelsicherheit und Kosmetik-GMP sowie einer US-Laborzulassung. Die Novogenia AG ist seit 2021 börsennotiert.
Verkauft wird überwiegend nicht direkt, sondern über ein Partnernetz: Ernährungsberatung, Physiotherapie, Apotheken, Kliniken, Direktvertrieb und Unternehmenskunden verkaufen unter eigenem Auftritt und mit eigener Provision. Jeder dieser Partner braucht seinen Kanal — und jeder Kanal dieselbe Produktlogik, dieselben Bestände und dieselbe Abrechnung.
Aufgabe
Aufbau einer Multi-Channel-Plattform auf Shopware 6, die drei Dinge gleichzeitig tragen muss: das Endkundengeschäft mehrerer Marken, das Partnergeschäft mit über 100 Vertriebspartnern und die internationale Ausbreitung — inklusive Auftritt im arabischen Raum mit Rechts-nach-links-Storefront, lokalen Zahlungsarten und länderspezifischen Steuern.
Dazu ein eigenentwickeltes Abo-Modul mit Intervallen, Statusübergängen und Pausieren, ein Kundenportal auf Vue und Tailwind mit visualisierter Nährstoffanalyse und rund 1.000 bewerteten Rezepten — und die Integration in neun Backend-Systeme: OAuth-Identity-Server, Azure Service Bus, mehrere Microservices, CRM, ERP und die Labor-Fachanwendungen.
Architektur-Entscheidungen
Ein eigenes Abo-Modul, weil kein Plugin das Geschäftsmodell abbildet
Geliefert wird alle drei Monate, abgerechnet monatlich — Lieferzyklus und Abrechnungszyklus laufen auseinander. Dazu Pausieren, Wiederaufnehmen, Wechsel der Mischung nach einer neuen Analyse und Statusübergänge, die jeweils Folgeprozesse in Labor und Produktion auslösen. Standard-Abo-Plugins bilden Intervalle ab, nicht Geschäftsmodelle. Also haben wir das Modul gebaut, statt ein fremdes zurechtzubiegen.
23 Verkaufskanäle statt 23 Shops
Jeder Vertriebspartner braucht einen eigenen Auftritt, aber niemand will 23 Systeme pflegen. Die Kanäle laufen deshalb als Sales-Channels auf einer einzigen Shopware-Instanz: ein Produktkatalog, ein Bestand, ein Bestellprozess, eine Wahrheit für die Abrechnung. Ein neuer Partner oder ein neues Land ist damit eine Konfiguration, kein Projekt — der Unterschied zwischen Wachstum und Wachstumsschmerz.
Rechts nach links ist kein Übersetzungsthema
Der Auftritt im arabischen Raum verlangt mehr als übersetzte Texte: Leserichtung, Layout-Spiegelung, lokale Zahlungsarten und länderspezifische Steuerlogik. Das gehört in die Plattform, nicht in ein Länder-Sonderprojekt — sonst hat man nach dem dritten Markt drei Codebasen.
Ereignisse statt Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen
Neun Backend-Systeme direkt miteinander zu verdrahten ergibt im Betrieb ein Geflecht, das niemand mehr ändern will. Stattdessen verteilt ein Azure Service Bus die Ereignisse: Eine Bestellung oder eine Abo-Änderung wird einmal veröffentlicht, und die Microservices, CRM, ERP und Labor-Fachanwendungen holen sich, was sie brauchen. Neue Systeme hängen sich an den Bus, statt eine weitere Schnittstelle zu erzwingen.
Ein Kundenportal, das die Analyse erklärt
Wer eine genetische Auswertung kauft, kauft eine Erklärung — nicht eine PDF-Datei. Das Kundenportal auf Vue und Tailwind visualisiert die Nährstoffanalyse und verbindet sie mit rund 1.000 bewerteten Rezepten. Es ist der Teil der Plattform, der aus einem einmaligen Test einen Grund macht, das Abo weiterlaufen zu lassen.
Ergebnis
Eine Plattform, die das Geschäftsmodell vollständig trägt: 23 Verkaufskanäle, mehrere Marken und alle Zielmärkte laufen über eine zentrale Instanz. Ereignisse wie Bestellungen und Abo-Änderungen verteilt der Azure Service Bus zuverlässig an die angebundenen Systeme.
Neue Länder, Marken, Partner und Produkte lassen sich über Konfiguration ausrollen statt über Entwicklungsprojekte. Für ein Unternehmen, dessen Wachstum am Partnernetz hängt, ist das die eigentliche Leistung der Plattform — nicht der Shop, sondern die Geschwindigkeit, mit der ein Kanal dazukommt.
WBFK betreut die Plattform laufend.
„Die Experten von WBFK waren ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung unseres Multi-Channel-Webshops. Unsere Backend-Landschaft ist äußerst komplex – wir betreiben einen Identity Server, mehrere Microservices, einen Azure Service Bus sowie ein CRM- und ein ERP-System. Die Integration der Shops in diese Infrastruktur stellte daher eine erhebliche Herausforderung dar. WBFK hat diese Aufgabe jedoch souverän und mit hoher fachlicher Kompetenz gelöst.“
Häufige Fragen zum Novogenia-Projekt
Wie bildet man ein Abo-Modell in Shopware ab, das kein Standard-Plugin abdeckt?
Indem man das Modul selbst baut, statt ein fremdes zurechtzubiegen. Bei Novogenia laufen Lieferzyklus (alle drei Monate) und Abrechnungszyklus (monatlich) auseinander, dazu kommen Pausieren, Wiederaufnehmen und Statusübergänge, die Folgeprozesse in Labor und Produktion auslösen. Ein eigenes Modul an den Shopware-APIs bleibt updatefähig — ein verbogenes Plugin wird beim nächsten Release zum Problem.
Wie viele Shops braucht ein Unternehmen mit vielen Vertriebspartnern?
In der Regel genau einen. Bei Novogenia laufen 23 Verkaufskanäle für über 100 Vertriebspartner als Sales-Channels auf einer einzigen Shopware-6-Instanz: ein Produktkatalog, ein Bestand, ein Bestellprozess. Getrennte Shop-Installationen pro Partner vervielfachen Pflegeaufwand, Update-Zyklen und Fehlerquellen — und driften erfahrungsgemäß binnen eines Jahres auseinander.
Was kostet es, einen neuen Ländermarkt oder Partner anzuschließen?
Das hängt daran, ob die Plattform dafür gebaut ist. Ist sie es, wie bei Novogenia, ist ein neuer Kanal eine Konfiguration — Sortiment, Sprache, Zahlungsarten, Steuersätze. Ist sie es nicht, wird jeder Markt ein eigenes Projekt, und nach dem dritten pflegt man drei Codebasen. Diese Weichenstellung fällt in der Architektur, nicht im Marketing.
Was ist beim Aufbau einer Storefront für den arabischen Raum zu beachten?
Rechts-nach-links ist kein Übersetzungsthema, sondern ein Layout-Thema: Leserichtung, gespiegelte Anordnung von Navigation und Formularen, dazu lokale Zahlungsarten und länderspezifische Steuerlogik. Das gehört in die Plattform selbst — als Länder-Sonderprojekt gelöst, erzeugt es eine zweite Codebasis, die dauerhaft mitgepflegt werden muss.
Wie integriert man einen Shop in eine gewachsene Microservice-Landschaft?
Über Ereignisse statt über Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen. Bei Novogenia sind neun Systeme angebunden — Identity Server, mehrere Microservices, CRM, ERP und Labor-Fachanwendungen. Ein Azure Service Bus verteilt Bestellungen und Abo-Änderungen an alle Interessenten; neue Systeme hängen sich an den Bus, statt eine weitere direkte Verbindung zu erzwingen. Neun direkt verdrahtete Systeme ergeben ein Geflecht, das im Betrieb niemand mehr anfassen will.
Ein neues Shop-Projekt vor sich?
Sie bringen das Vorhaben mit, wir die Erfahrung aus gebauten Plattformen. Danach wissen Sie, was realistisch ist.