Was eine Shopware-Migration wirklich kostet — und wo Angebote lügen
Migrations-Angebote unterscheiden sich um den Faktor drei — nicht, weil Agenturen verschieden rechnen, sondern weil sie Verschiedenes weglassen. Die drei Kostenblöcke, die fast nie im Angebot stehen.
Seit Shopware 5 am 31. Juli 2024 das End of Life erreicht hat, entstehen viele Migrationsentscheidungen unter Druck — und unter Druck werden Angebote selten gründlich gelesen. Wer drei Angebote für dasselbe Projekt einholt, bekommt regelmäßig Preise, die um den Faktor drei auseinanderliegen: Am Markt reicht die Spanne 2026 von rund 15.000 € für kleine B2C-Shops bis über 250.000 € für B2B-Projekte mit ERP- und PIM-Integration.
Die Differenz entsteht fast nie beim Stundensatz — der liegt bei spezialisierten Shopware-Agenturen im DACH-Raum ziemlich einheitlich zwischen 90 € und 160 €. Sie entsteht bei dem, was ein Angebot nicht enthält. Drei Kostenblöcke fehlen besonders zuverlässig.
1 — Die Datenmigration ist kein Posten, sie ist das Projekt
„Datenübernahme: pauschal” ist die häufigste Zeile in Migrations-Angeboten — und das zuverlässigste Warnsignal. Der Hintergrund: Shopwares kostenloser Migrations-Assistent übernimmt Produkte, Kategorien, Kundenkonten, Bestellungen, Medien und SEO-URLs technisch sauber von Shopware 5 nach 6. Das Werkzeug kostet nichts. Deshalb lässt sich die Zeile billig anbieten.
Nur: Das Werkzeug migriert Ihre Daten so, wie sie sind. Nach zehn Jahren Shopbetrieb heißt das in der Praxis — Freitextfelder, die längst zweckentfremdet sind; Varianten-Strukturen, die es so in Shopware 6 nicht mehr gibt; Preislogik aus Kundengruppen, Staffel- und Pseudopreisen, die neu abgebildet werden muss; Kundenkonten mit Dubletten; Bestellhistorie voller Importe und Storni aus Systemen, die niemand mehr kennt. Diese Aufbereitung ist Projektarbeit, kein Knopfdruck — und sie ist der Teil, der in der Pauschale nicht steckt.
Eine ehrliche Modellrechnung (bewusst kein konkretes Kundenprojekt): Ein Shop mit 40.000 Artikeln, 25.000 Kundenkonten und zehn Jahren Bestellhistorie braucht realistisch eine Probemigration auf einer Systemkopie, die Bereinigung der dabei gefundenen Altlasten, einen zweiten Migrationslauf und den Abgleich vor Go-Live. Das sind 15 bis 25 Personentage — bei marktüblichen Sätzen 11.000 € bis 30.000 €, nur für Daten. Wenn dieser Block im Angebot als Pauschale von 2.000 € auftaucht, ist er nicht günstig kalkuliert. Er ist nicht kalkuliert.
Ob eine Agentur die Datenlage ernst nimmt, erkennen Sie an drei Prüffragen:
- Wurde vor dem Angebot eine Probemigration gemacht — oder wenigstens angefragt? Wer Ihre Datenbank nie gesehen hat, kann die Datenübernahme nicht bepreisen, nur raten.
- Steht im Angebot, welche Datenarten übernommen werden — und welche nicht? Bestellhistorie, Medien, SEO-URLs, Kundenpasswörter: Jede Auslassung fällt sonst nach Vertragsschluss auf, zu Ihren Kosten.
- Ist ein zweiter Migrationslauf mit Delta-Abgleich vor Go-Live eingeplant? Zwischen erster Migration und Launch liegen Wochen, in denen Ihr Shop weiterverkauft. Ohne Delta-Lauf verlieren Sie diese Bestellungen.
2 — Schnittstellen werden nach Aufwand abgerechnet, Aufwand entsteht beim Kunden
Der zweite Block, der Angebote vergleichbar aussehen lässt, obwohl sie es nicht sind: „ERP-Anbindung: nach Aufwand.” Das klingt nach Flexibilität. Tatsächlich verschiebt es das gesamte Projektrisiko zu Ihnen — denn der Aufwand einer Schnittstelle hängt kaum von Shopware ab, sondern von der Gegenseite: Welche ERP-Version läuft, wie viele Sonderfelder wurden über die Jahre ergänzt, gibt es eine Middleware, werden Bestände in Echtzeit oder im Nachtlauf synchronisiert, wer pflegt die Preislisten. Nichts davon steht in Ihrer Anfrage, alles davon bestimmt den Preis.
Eine Agentur kann eine Schnittstelle seriös nur bepreisen, wenn sie die Systeme vorher gesehen hat. Ein belastbares Schnittstellen-Angebot setzt deshalb ein Architektur-Review vor Angebotsabgabe voraus: Sichtung der bestehenden Integrationen, Mengengerüste (Artikel, Lager, Preislisten, Synchronisations-Frequenz), definierte Fehlerfälle — was passiert, wenn das ERP nicht antwortet? — und geklärte Verantwortlichkeiten auf beiden Seiten. Das kostet ein paar Tage am Anfang und erspart die Nachträge, die sonst ab Projektmitte kommen.
Ein Festpreis ohne vorheriges Architektur-Review ist kein Angebot — es ist eine Wette, die Sie bezahlen.
Umgekehrt gilt: Wer Ihnen ohne Blick in die Systeme einen Festpreis für die ERP-Anbindung nennt, hat das Risiko eingepreist — dann zahlen Sie einen Puffer, den Sie nicht sehen — oder er hat vor, die Lücke über Nachträge zu schließen. Beides ist teurer als das Review.
3 — Der Betrieb nach dem Launch fehlt fast immer
Der dritte Block steht praktisch nie im Migrations-Angebot, weil er formal nicht zur Migration gehört: die Kosten ab dem Tag nach dem Go-Live. Zur Entscheidungsgröße gehört er trotzdem — denn hier trennen sich Plattformen und Projektqualitäten deutlicher als beim Projektpreis.
Drei Positionen sind ab Jahr 1 real:
| Position | Typische Spanne pro Jahr | Wovon sie abhängt |
|---|---|---|
| Hosting | 1.500 – 10.000 € | Traffic, Verfügbarkeitsanspruch, managed vs. selbst betrieben |
| Wartung, Updates, Security | 5.000 – 25.000 € | Release-Zyklus, Plugin-Anzahl, Individualcode-Anteil |
| Shopware-Lizenz | 0 – 28.800 €+ | Umsatz: Community Edition bis 1 Mio. € GMV kostenlos, darüber Rise ab 600 €/Monat, Evolve ab 2.400 €/Monat |
Die Lizenzzeile verdient seit März 2025 besondere Aufmerksamkeit: Mit der Fair Usage Policy hat Shopware die Community Edition auf 1 Mio. € Jahresumsatz (GMV) begrenzt — darüber wird ein bezahlter Plan fällig, und die Umsatzmeldung ist verpflichtend. Wer heute knapp unter der Grenze liegt und wachsen will, sollte den Sprung auf Rise (ab 7.200 €/Jahr) von Anfang an im Budget haben — nicht als Überraschung in Jahr 2.
Dazu kommt der Posten, den niemand budgetiert, obwohl ihn jeder bezahlt: Weiterentwicklung. Ein Shop, der nach dem Launch eingefroren wird, verliert. Realistisch sind je nach Ambition 10 bis 40 Personentage pro Jahr — als bewusste Entscheidung, nicht als Restposten.
Die eine Zahl, die Sie verlangen sollten
Vergleichen Sie Angebote nie über den Projektpreis. Verlangen Sie von jeder Agentur dieselbe Zahl: Total Cost of Ownership über drei Jahre — Migrationsprojekt plus Datenaufbereitung plus Schnittstellen plus Hosting, Wartung, Lizenz und ein ehrlicher Weiterentwicklungs-Ansatz. Erst auf dieser Ebene sind Angebote vergleichbar, und erst hier zeigt sich, ob der billigste Projektpreis nicht der teuerste Gesamtpreis ist.
Wer diese Zahl nicht nennen kann oder will, hat einen der drei Blöcke nicht durchdacht. Dann wissen Sie auch etwas.
Zahlen und Richtwerte: Stand August 2026. Quellen: Shopware-Preisübersicht, Fair Usage Policy für die Community Edition, Shopware 5 End of Life, Marktspannen aus öffentlichen Agentur-Preisübersichten (DACH, 2026).
Häufige Fragen
Was kostet eine Migration zu Shopware 6?
Am Markt reicht die Spanne von rund 15.000 € für kleine B2C-Shops bis über 250.000 € für komplexe B2B-Projekte mit ERP- und PIM-Integration (Stand 2026). Die Projektgröße bestimmen drei Faktoren: Zustand und Menge der Daten, Zahl und Zustand der Schnittstellen, Umfang der Individualfunktionen — nicht die Zahl der Artikel allein.
Wie lange dauert eine Shopware-6-Migration?
Kleine B2C-Shops sind in 6 bis 12 Wochen live, mittlere Projekte brauchen 4 bis 6 Monate, große B2B-Migrationen mit mehreren Schnittstellen 20 bis 40+ Wochen. Der häufigste Verzögerungsgrund ist nicht die Technik, sondern unbereinigte Daten und späte Schnittstellen-Klärung.
Ist Shopware 6 kostenlos?
Die Community Edition ist Open Source und kostenlos — seit der Fair Usage Policy vom März 2025 aber nur bis 1 Mio. € Jahresumsatz (GMV). Darüber wird ein bezahlter Plan fällig: Rise ab 600 €/Monat, Evolve ab 2.400 €/Monat, Beyond individuell. Diese Lizenzkosten gehören in jede Migrations-Kalkulation ab dieser Umsatzgröße.
Muss ich von Shopware 5 überhaupt weg?
Shopware 5 ist seit dem 31. Juli 2024 End of Life: keine Sicherheitsupdates, keine Weiterentwicklung, schrumpfende Plugin- und Dienstleister-Landschaft. Jeder Monat Betrieb ist ein Sicherheits- und Compliance-Risiko, das Sie aktiv tragen — die Frage ist nicht ob, sondern wie geplant Sie migrieren.
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