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FÜR ENTSCHEIDER31. August 2026 · 7 min Lesezeit

Shopware 6 vor dem Vorstand: die fünf Fragen, die kommen werden

Was Shopware 6 wirklich kostet, wie lange die Migration dauert und was das größte Risiko ist — Antworten mit Zahlen aus Projekten mit über 1 Mio. € Volumen.

Portrait: Thomas Schiefer
Thomas Schiefer
Gründer, WBFK · vorher Head of Customer Engagement Solutions, BWT

Sie haben die Systemfrage im Team längst beantwortet. Jetzt kommt der schwierigere Teil: das Gremium. Ein Vorstand entscheidet nicht über Storefronts und Plugins — er entscheidet über Geld, Zeit und Risiko. Die Fragen, die dort kommen, sind vorhersehbar. Wir haben sie selbst gestellt, als wir E-Commerce bei Sony, BWT und SPAR verantwortet haben, und beantworten sie heute von der anderen Seite des Tisches. Hier sind die fünf, auf die Sie vorbereitet sein sollten.

1. Was kostet das insgesamt?

Die ehrliche Antwort: Die Shopware-Lizenz ist der kleinste Block. Ein Enterprise-Vorhaben mit ERP-Anbindung, Datenmigration und mehreren Umsystemen liegt insgesamt im mittleren sechs- bis siebenstelligen Bereich — unser größtes Migrationsprojekt lag bei über 1 Mio. € über elf Monate.

Rechnen Sie in fünf Blöcken, nicht in einer Summe:

  1. Lizenz. Shopware veröffentlicht Editionen und Preise offen. Die Community Edition ist kostenlos, seit März 2025 aber nur bis 1 Mio. € Jahresumsatz; darüber beginnen die bezahlten Pläne. Im Gesamtbudget eines Enterprise-Projekts ist das typischerweise ein einstelliger Prozentanteil.
  2. Implementierung. Storefront, Prozesse, Rollen, Pricing-Logik — das, was ein Angebot üblicherweise abdeckt.
  3. Integrationen. ERP, Lagerverwaltung, CRM, Newsletter, Payment, Marktplätze. In unserem größten Projekt waren es sieben Backend-Systeme. Dieser Block entscheidet über Budget und Laufzeit, nicht die Storefront.
  4. Datenmigration. Artikel, Kunden, Bestellhistorie, Erlösrelevantes. Der Block, der in Angeboten am häufigsten fehlt oder zu klein angesetzt ist.
  5. Betrieb. Hosting, Updates, Bereitschaft, Weiterentwicklung — jedes Jahr, nach dem Go-Live. Wer nur bis zum Launch budgetiert, budgetiert die Hälfte.

Wenn ein Angebot deutlich unter den anderen liegt, fehlt fast immer einer dieser Blöcke. Das ist die Stelle, an der Sie nachfragen sollten — vor der Unterschrift. Woran man das im Detail erkennt, steht in unserem Artikel darüber, was eine Shopware-Migration wirklich kostet.

2. Wie lange dauert das?

In unseren Projekten: zwischen sechs und elf Monaten bis zum Go-Live. Die Ablöse von Shopware 5 bei materials4me dauerte sechs Monate; die Migration mit sieben Backend-Systemen bei BWT elf.

Was die Dauer bestimmt, ist nicht die Shop-Software. Es sind drei andere Faktoren: die Zahl und Qualität der Schnittstellen, der Zustand Ihrer Daten — und Ihre eigenen Entscheidungswege. Ein Projekt, in dem jede Prozessfrage durch drei Abteilungen läuft, wird nicht durch mehr Entwickler schneller. Planen Sie deshalb auf Ihrer Seite eine Person mit Entscheidungsbefugnis fest ein; das ist der günstigste Beschleuniger, den es gibt.

3. Was ist das größte Risiko?

Nicht das Budget — der laufende Umsatz. Ein Shop, der während der Umstellung Bestellungen verliert, kostet mehr als jede Budgetüberschreitung. Und er kostet Sie intern das Vertrauen in das Projekt.

Dieses Risiko ist steuerbar, wenn man es von Anfang an behandelt: Migrationsarchitektur vor der ersten Zeile Code, Parallelbetrieb statt Big Bang, wo die Systemlandschaft es erlaubt, und ein Cutover-Plan mit definierten Abbruchkriterien. Im BWT-Projekt haben wir eine Migration über sieben Backend-Systeme ohne eine einzige verlorene Bestellung abgeschlossen. Das ist keine Garantie, die man versprechen kann — aber ein Maßstab, an dem Sie jeden Anbieter messen dürfen. Fragen Sie, wie er den Cutover plant und was passiert, wenn etwas schiefgeht. Wer darauf keine präzise Antwort hat, hat es noch nicht gemacht.

4. Warum nicht beim alten System bleiben?

Weil das alte System nicht stillsteht — es wird jedes Jahr teurer und riskanter. Abgekündigte Plattformen bekommen keine Sicherheitsupdates, Erweiterungen werden zu Eigenbau, das Wissen konzentriert sich auf wenige Köpfe, und irgendwann diktiert die Technik die Roadmap statt umgekehrt.

Die Frage für Ihr Gremium ist deshalb nicht „Migration: ja oder nein”, sondern „geplant oder erzwungen”. Eine geplante Ablöse wählt ihren Zeitpunkt, ihr Budget und ihr Team. Eine erzwungene — nach einem Sicherheitsvorfall oder wenn der letzte Wissensträger geht — wählt nichts davon. Rechnen Sie dem Vorstand beide Szenarien vor; das ist der Business Case, der trägt.

5. Woran erkennen wir den richtigen Partner?

An drei Dingen, die sich alle vor der Beauftragung prüfen lassen.

Erstens: Er hat Vorhaben Ihrer Größenordnung nachweislich geliefert — mit Namen und Zahlen, nicht mit Logos. Zweitens: Die Personen aus dem Erstgespräch sind die Personen im Projekt; fragen Sie explizit, wer die Architektur verantwortet und wer nach dem Go-Live erreichbar ist. Drittens: Er benennt Risiken, bevor Sie unterschreiben. Ein Anbieter, der im Erstgespräch nur Chancen sieht, wird Ihnen auch im Projekt keine Probleme melden — bis es zu spät ist.

Diese drei Prüfungen kosten Sie ein Gespräch und ersparen Ihnen im Zweifel ein Jahr.

Häufige Fragen

Was kostet die Shopware-6-Lizenz?

Shopware veröffentlicht die Preise seiner Editionen offen: Die Community Edition ist Open Source und kostenlos, seit der Fair Usage Policy vom März 2025 aber nur bis 1 Mio. € Jahresumsatz (GMV). Darüber wird ein bezahlter Plan fällig — Rise ab 600 €/Monat, Evolve ab 2.400 €/Monat (Stand 08/2026). Für die Budgetplanung wichtiger: Die Lizenz ist in Enterprise-Projekten typischerweise der kleinste der fünf Kostenblöcke.

Wie lange dauert eine Shopware-6-Migration?

In unseren Projekten 6 bis 11 Monate bis zum Go-Live — abhängig von der Zahl der Schnittstellen, der Datenqualität und den Entscheidungswegen im Unternehmen, nicht von der Shop-Software.

Kann unsere interne IT das selbst machen?

Betreiben: oft ja. Migrieren: selten — nicht aus Kompetenzgründen, sondern weil eine Migration ein Projekt mit Endtermin ist und das Tagesgeschäft nicht pausiert. Realistisch ist ein gemischtes Team, in dem Ihre IT die Umsysteme kennt und der Partner die Migrationsarchitektur verantwortet.

Was kostet der Betrieb nach dem Go-Live?

Planen Sie Hosting, Updates, Bereitschaft und Weiterentwicklung als festen Jahresposten ein. Eine belastbare Bandbreite lässt sich ohne Kenntnis der Systemlandschaft nicht seriös nennen — aber ein Angebot ohne Betriebsmodell ist unvollständig, und die Frage danach gehört ins Erstgespräch.

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